30.03.2020  |  Sportmanagement

Abbruch der Saison 2019/2020 ?

Zwei mögliche Lösungen

Warum es der Bundesligafußball trotz Corona selbst in der Hand hat, nicht unterzugehen - Was folgt nach dem Sturm? Teil 2: Zwei Lösungen für den Fall, dass die Saison 2019/2020 nicht zu Ende gespielt werden kann. Die Stufen 1 bis 3 basieren auf der Annahme, dass in den nächsten Monaten eine Beendigung der Saison 2019/2020 im laufenden Spielbetrieb nach absolvierten 34 Spieltagen in Bundesliga und 2. Bundesliga möglich sein wird.

Teil 2: Zwei Lösungen für den Fall, dass die Saison 2019/2020 nicht zu Ende gespielt werden kann


Die Stufen 1 bis 3 basieren auf der Annahme, dass in den nächsten Monaten eine Beendigung der Saison 2019/2020 im laufenden Spielbetrieb nach absolvierten 34 Spieltagen in Bundesliga und 2. Bundesliga möglich sein wird. Es ist aber in Wahrheit völlig offen, ab wann bzw. ob bis zum 30. Juni noch einmal trainiert oder gespielt werden kann. Wenn es nicht zu einer sportlich fairen Beendigung der Saison 2019/2020 kommt, stellt sich die Frage nach weiteren Lösungswegen, insbesondere der Wertung der ausgetragenen Spiele. Die DFL-Regeln schweigen dazu. Das muss kein Nachteil sein, weil dadurch individuelle Lösungen möglich sind. Es bedarf aber eines Beschlusses der Clubs in der Ligaversammlung. Wie könnten Eckpunkte hierfür aussehen?


Stufe 4: Vorzeitige Beendigung der Saison 2019/2020

Es wäre denkbar, die laufende Saison vorzeitig zu beenden. Ein Beschluss dahingehend, die Saison ohne Wertung zu annullieren, produziert nur Verlierer. Außerdem könnte ohne Wertung auch kein Teilnehmer an europäischen Wettbewerben benannt werden, der nach sportlichen Kriterien aus der laufenden Saison bestimmt wird. Dieser Weg scheidet aus.

Absteiger zu benennen, ohne dass alle Hin- und Rückspiele durchgeführt sind, wird zu Klagen führen. Absteiger darf es deshalb weder aus der 2. Bundesliga noch aus der Bundesliga geben. Eine Relegation zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga scheidet daher ebenfalls aus, weil auch hier der Verlierer potentieller Kläger wäre.

Daher ist zu entscheiden, ob lediglich die ersten beiden Teams der Tabelle der 2. Bundesliga oder weitere in 2020/2021 Bundesliga spielen. Der Bundesliga werden Stand heute 9 Spieltage fehlen. Würde man die Liga auf 22 Teams aufstocken, müssten 8 zusätzliche Spieltage ausgetragen werden. Es bietet sich daher aktuell an, nicht nur die ersten beiden der 2. Bundesliga, sondern vier Mannschaften aufsteigen zu lassen. Das wären momentan also Tabellenführer Arminia Bielefeld, VfB Stuttgart, der HSV und auch Heidenheim („22er-Lösung“).

Außerdem wäre es möglich und konsequent, auch die Europapokalplätze nach dem aktuellen Stand der Tabelle zu benennen.

Die neu hinzukommenden Spieltage der nächsten Saison könnten an Sky, andere Inhaber von Übertragungsrechten und Sponsoren als Ausgleich für ausgefallene Spiele der laufenden Saison angeboten werden. Damit ließe sich eingetretener Schaden teilweise kompensieren.

Und der Deutsche Meister 2019/2020? Der ergibt sich ebenfalls aus dem letzten Stand der Tabelle und entscheidet, ob er den Titel annimmt...

Die Voraussetzung: die Ligaversammlung müsste mit Dreiviertelmehrheit einer solchen Lösung zustimmen.

Die Störfaktoren: potentielle Absteiger und Aufsteiger in die Bundesliga werden dafür stimmen. Die weiteren Vertreter der 2. Bundesliga ebenfalls, weil mangels Absteiger aus der ersten Liga und dem Aufstieg der aktuell vier besten Mannschaften in 2020/2021 interessante sportliche Perspektiven entstehen. Dagegen könnten sich eher Clubs stellen, die sich in der Qualifikation für die Europokalplätze benachteiligt fühlen. Deren Anzahl wird die nötige Mehrheit aber nicht gefährden.

Problematisch ist außerdem die Frage, wie die 2. Bundesliga aufgefüllt wird. Hier sind auch der DFB und die 3. Liga im Boot. Es wäre bei vier Bundesligaaufsteigern Platz für zumindest vier Aufsteiger aus der 3. Liga. Möglicherweise wird für das Übergangsjahr 2021/2022 auch in der 2. Bundesliga mit 22 Teams gespielt, um die fehlenden Spieltage der laufenden Saison auch in der 2. Bundesliga für Sky oder andere zu kompensieren Dann wären bis zu 8 Drittligisten zu befördern.

Fazit: Stufe 4 wäre mehrheitsfähig, sportlich fair und kompensiert Schäden der laufenden Saison im Folgejahr. Entschließen sich die Clubs frühzeitig zu dieser Lösung, kommt der Faktor Planungssicherheit hinzu, denn Clubs und ihre Sponsoren usw. wissen frühzeitig, in welcher Liga sie in 2020/2021 spielen werden. Das wäre ansonsten bei potentiellen Absteigern ein zusätzlicher Risikofaktor in der Krise und bei Aufsteigern könnte die neue Ligazugehörigkeit einen Schub bringen, der aktuelle Probleme leichter beheben ließe. Stufe 4 hat mittelfristig viele Vorteile, löst aber die aktuellsten Probleme nicht ohne weiteres.


Stufe 5: Verlängerung der Saison 2019/2020 bis zum 30. Juni 2021 („Deutscher Meister 2019 .... / 2021- Lösung“)

Weil die Versammlung der Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga mangels Vorgabe im Regelwerk relativ frei ist, Lösungen zu beschließen, könnte sie auch eine Zusammenlegung der Spielzeiten 2019/2020 und 2020/2021 festlegen. Es würde der „Deutsche Meister 2019 / 2021“ ausgespielt.

Die bisher erzielten Punkte der Mannschaften blieben erhalten. Die sportlichen Entscheidungen werden nicht nach dem 34. Spieltag, sondern nach dem 68. Spieltag im Mai 2021 fallen. Man gewinnt Zeit für die Nachholung ausgefallener Meisterschaftsspiele. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle 68 Spieltage komplett absolviert werden können, steigt, weil „Corona“ kontrollierbar sein wird. Außerdem würde eine weiträumige Verlegung der Spiele nach hinten auch ermöglichen, möglichst viele Spiele doch mit Zuschauerbeteiligung zu absolvieren.

Die Voraussetzungen: neben der mehrheitlichen Entscheidung der Clubs für diesen Modus wäre wahrscheinlich eine Einigung mit Sky die größte Hürde. Nur wenn der wichtigste Übertragungspartner nicht nur bereit ist, der Saisonverlängerung zuzustimmen, sondern außerdem Vorauszahlungen ohne aktuellen Spielbetrieb auf künftige Spiele leisten wird, hilft die Lösung wirtschaftlich weiter. Wechsel von Spielern in der Sommertransferperiode bleiben erlaubt und wären damit – wie im Winter – dann solche während einer Saison.

Die Störfaktoren: die aktuell sportlich gut dastehenden Clubs müssten ihre bisherigen Leistungen noch ein weiteres Jahr bestätigen. Es wird wahrscheinlich klare sportliche Verlierer geben. Konfliktpotential entsteht außerdem dadurch, dass zwar Aufstiege und Abstiege erst im nächsten Jahr feststehen, aber die internationalen Plätze aus dem laufenden Betrieb zu bestimmen sind.

Fazit: die ungewöhnlichste Lösung würde viel Potential für Spiele in „coronafreien“ Zeiten schaffen. Sie kommt aber nur in Betracht, wenn Zwischenfinanzierungen bis dahin auch ohne aktuellen Spielbetrieb möglich sind.


Teil 1: Die Bundesliga ist zweitrangig – der Fußball fährt der Regierung hinterher

Teil 1 lesen


Autor: Prof. Dr. Markus Buchberger

Hinweis: die Angaben in diesem Artikel stellen keine Rechtsberatung und keinen Ersatz für Rechtsberatung in Einzelfällen dar. Der Autor und die Redaktion haften daher nicht für die Richtigkeit und Anwendbarkeit der gemachten Angaben.

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